Samstag, 19. September 2020

#11 Shock Secrets - Luftfederdämpfer für 75 € mit dem nahezu perfekten Kraft- Weg-Verlauf - DNM AOY-36RC! Die beste Luftfeder für Low-Budget Projekte?!

Beschäftige mich ja schon länger mit der Auslegung von Luftfedern und habe schon einiges an Erfahrung gesammelt, indem ich vorhandene Dämpfer gemessen habe. Ich habe leider auch so ein Fimmel für "Billigzeugs", in der Hoffnung, dass es was ordentliches ist.

Hatte den Luftfederdämpfer von DNM schon länger im Auge und hatte ihn dann mal trotz Bedenken bestellt.

Ich dachte mir, der Dämpfer, kann so wie er in der Anleitung beschrieben wird gar nicht funktionieren. Dort wird 80 psi als Maximaldruck der Negativluftkammer angegeben. Da aber hier die Kolbenfläche viel kleiner ist, als die des Positivkolbens, wird das Ansprechverhalten richtig schlecht sein. Aber ggf. haben die Kollegen von DNM irgendwie die Physik ausgetrickst - hoffte ich jedenfalls.

Auf dem Prüfstand habe ich schon bisschen rum gespielt ohne den Kraft-Weg-Verlauf aufzuzeichnen und wie erwartet waren nach wenigen Millimetern schon sehr hohe Kräfte ablesbar - Mist!

Auf dem Prüfstand.

In der Positivluftkammer hatte ich stets 200 psi und hatte dann drei Drücke in der Negativluftkammer getestet: 100 psi, 430 psi und 500 psi. Wenn man bedenkt, dass 80 psi, lt. Hersteller maximal zulässig sind. Hatte mich natürlich mittels Schutzbrille und Gehörschutz ausgerüstet, man weiß ja nie!

Es ist ja so: wenn man den Luftfederdämpfer zusammen drückt wird der Druck in der Negativluftkammer kleiner und in der Positivluftkammer größer. Da der Druck in der Positivluftkammer bei 40 mm Hub bereits 500 psi übersteigt, sollte es in der Negativluftkammer schon gehen.

Jetzt aber zu den drei Messungen.

Von gut bis schlecht, nur über den Druck in der Negativluftkammer gesteuert.
 
Man sieht, dass die Luftfeder je nach Negativluftkammerdruck von richtig schlecht bis gut anspricht, was immer gleich ist, die Feder ist recht progressiv hintenraus, liegt auch an dem 5 mm Gummi-Endanschlag.

Zum besseren Verständnis und zum Zusammenfassen aller Informationen habe ich alles in einem Bild zusammen dargestellt.


Geballte Information in einem Bild, die grüne Kurve, Mega für 75 €!

Man muss auf jeden Fall auf den richtigen Druck der Negativluftkammer achten, so erhält man einen super Kraft-Weg-Verlauf, der mit einem klassischen Eingelenker sichtig gut gehen sollte.

Ich würde so einen Luftfederdämpfer z.B. an ein Fully von Marinobike bauen, sofern man so etwas haben will. Passt demnach ja auch super an ein solches Low-Budget-Projekt. Wie gut die Dämpfung funktioniert habe ich noch nicht gemessen, erwarte aber, dass es funktioniert.

Es gab ja solche Luftfederdämpfer, mit zwei separat befüllbaren Luftkammern schon früher von anderen Herstellern, wenn du einen solchen hast, würde ich mich freuen den mal zu messen :-).

Fazit:
Der DNM AOY-36RC besitzt eine Luftfeder, die mit erhöhtem Druck (deutlich über der Vorgabe des Herstellers) in der Negativluftkammer gut funktioniert. Der Praxistest muss noch sicherstellen, ob der hohe Druck in der Negativluftkammer auf Dauer hält, bin da aber zuversichtlich.


Mittwoch, 16. September 2020

#3 Bike Brands - Neutrino Components - Kettenblätter, Kurbeln, Bashguards - CNC-Porn, Made in Russia.

Auf der Suche nach neuen Ideen und Lieferanten, bin ich auf Neutrino Components gestoßen. Hier findet man u.a. preiswerte Bashguards, passend zu dem verwendeten Kettenblatt. Aber auch Kettenblätter und Kurbeln mit Zubehör zählt zu deren Portfolio. Optisch schön CNC gefräst.

Hier geht´s direkt dort hin.

Habe selber schon für mein MDE Damper einen Bashguard dort beschafft, von Bestellung bis zum verbauen hat alles tadellos funktioniert.

Ist der Shop neu für Dich? Was hältst Du davon? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

#2 - Bike Brands - Amachete Components - Gleitlager war gestern, heute verwenden wir Nadellager im Stoßdämpfer!

Vielen Dank Sergey für den Hinweis, zu dieser kleinen Firma. Amachete Components aus Spanien.

Um Standard Gleitlager, die in den Stoßdämpfern verbaut sind zu optimieren bietet ja Huber Bushings schon eine Alternative an. Wenn allerdings der Dämpfer auf dem Bolzen viel rotatorische Bewegung macht, kann es Sinn machen, auf ein Wälzlager umzusteigen.

Amachete Components scheint für viele Bikes und Dämpfer passende Lösungen zu haben.

Hier gehts zu Amachete.

Amachete verwendet vollnadelige Nadellager.

Vergleichen wir Gleitreibung von Stahl zu PTFE (optimales Gleitlager) mit einem Nadellager, ist die Reibung beim Nadellager min. den Faktor 10 geringer. 

Der Verschleiß wird je nach Bewegung beim Nadellager geringer sein.

Einzig die Wartungsfreundlichkeit ist beim Gleitlager vermutlich etwas besser.

Erfahrung durch Sergey bisher durchweg positiv, ich werde das bei meinen nächsten Projekten auch noch ausprobieren, bin überzeugt, dass es gut wird :-).

Kennt ihr die Jungs von Amachete? Wie ist eure Erfahrung? Lasst es mich wissen!

#3 Linkage Check - Haideli FS 831 AM - Codename Shanghai Tower - Taugt die Kopie?

Allein wie der Rahmen ausschaut ist klar, da wurde kopiert. Das verrückte ist, sogar die Geometrie liest sich fast gleich. Welches Bike die Vorlage war, wisst ihr bestimmt.

Es geht um das Haideli FS 831 AM, hier Infos vom Hersteller.

Hatte den Rahmen in der Vergangenheit schon mal gesehen, wurde von einem freundlichen User auf MTB News mal wieder darauf gebracht.

Die Geometrie finde ich nicht perfekt, jedoch ist es für mich eine Preissache mal sowas auszuprobieren.

Hier soll es aber um die Kinematik gehen. Schwerpunkt für Anti Squat X 800 mm ab Tretlager und für Anti Rise X 650 mm ab Tretlager.

Kinematikmodell in Größe XL.

Gleichmäßig abfallende Leverage Ratio, damit kommt jeder Dämpfer zurecht.

Akzeptables Anti Squat verhalten.

Etwas geringerer Anti Squat im Bergaufgang.

Anti Rise, der auf die 100 % zu geht - nicht schlecht!

Geringes Pedal Kickback in der Abfahrt.

Moderat beim Bergauffahren.

Klassischer Achspfad bei heutigen 29ern, nicht ganz nach meinem Geschmack :-).

Wenn der Preis passt und die Geometrieanalyse ein guten Kompromiss ergibt, wäre es ein interessantes China Carbon Projekt. Der Hinterbau funktioniert, keine Frage. Ist nichts besonderes oder ausgefallenes. Wie in den Diagrammen zu sehen alles moderat, Brot und Butter Kinematik :-).

Für die Frage was für mich anders / besser sein könnte:

- Achspfad weiter nach hinten.
- Anti Rise > 100 %.
- Anti Squat > 150 %.

Würdet ihr euch das Ding holen? Sagt euch die Kinematik zu, schreibt es mir gern in den Kommentaren.


Dienstag, 15. September 2020

#1 About me - Meine, fürs Bike relevanten Körpermaße.

Primär stelle ich euch hier Sachen vor die u.a. mit meiner Körpergröße zu tun haben. Hätte ich nicht immer so viel Probleme gehabt, ein passendes Bike für mich zu finden gäb es diesen Blog gar nicht :-).


Meine, fürs Bike relevanten Maße in [cm]


Mittwoch, 9. September 2020

#1 Supension Setup - Abstimmung des Hinterbaus, stets in Abhängigkeit des Gabelfederwegs!

Man liest oft, dass das das Fahrwerk in der aktiven Fahrhaltung auf 30 % Sag abgestimmt werden soll. Mit Extrembeispielen kann man sich schnell ein Bild machen, ob eine bestimmte Regel Sinn macht.

Angenommen ich habe ein Fahrwerk mit 100 mm Federweg vorn und 200 mm Federweg hinten, stimmen wir auch hier auf 30 % Sag ab?

Klar, dass das nicht hin haut und sich dann nicht ausgewogen fahren lässt.

Was viele nicht wissen: 99 % der Bike Hersteller geben die Federwege für Heck und Front unterschiedlich an. An der Front nimmt man den Gabelfederweg und am Heck den vertikalen Federweg des Hinterbaus.

Um den vertikalen Federweg an der Gabel zu bestimmen - dass dieser, mit dem am Heck verglichen werden kann, kann dies ganz einfach berechnet werden.

Vertikaler Federweg der Gabel = SINUS(Lenkwinkel) x Gabelfederweg

Beispiel: Bike mit 160 mm Gabelfederweg, 65 ° Lenkwinkel hat 145 mm vertikalen Federweg vorn.

Das erklärt dann natürlich, dass Fahrwerke grundsätzlich funktionieren, wo wir am Heck auf dem Papier weniger Federweg haben als an der Front. Das Ganze birgt aber auch Nachteile, auf die ich anders mal eingehen werde.

Um das Heck auf die Font abzustimmen müssen wir wissen, wie viel Federweg vorhanden ist. Haben wir den Fall, dass wir schon wie z.B. beim Ibis Ripmo vorn und hinten ähnliche vertikale Federwege haben, kann man seine % Sag-Abstimmungen durchführen. Haben wir haben wir aber wie bei meinem MDE Damper 160 mm Gabelfederweg, 64 ° Lenkwinkel und 170 mm vertikalen Federweg am Heck müssen wir ins Detail gehen.


Mein MDE-Damper mit Custom Geometrie.


Mein MDE Damper hat, gerechnet mit der Formel oben 143,8 mm vertikalen Federweg an der Front, demzufolge müssten genau so viel am Heck ausreichend sein. Grundsätzlich ist es gut wenn man, je nach Kinematik mehr Federweg am Heck zur Verfügung hat - das ist aber wie gesagt ein anderes Thema.

Um es ganz genau zu machen, müssten wir die Hinterbaukennlinie des Übersetzungsverhältnisses kennen, dies lassen wir aber der Einfachheit halber außer acht. Wir wissen, das MDE Damper hat 65 mm Dämpferhub und 170 mm vertikalen Federweg. Mittels Dreisatz gerechnet können wir den erforderlichen Federweg am Dämpfer für 143,8 mm vertikalen Heckfederweg berechnen:

Dämpferhub bei 143,8 mm = (65 mm / 170 mm) x 143,8 mm = 55 mm

Diese berechneten 55 mm sind jetzt unsere Basis zur Berechnung des Sag den wir am Dämpfer messen.

Sag am Dämpfer = 55 mm * Gewünschter Sag 30 % / 100 % = 16,5 mm

Es sind zwar nur paar Millimeter weniger Sag den wir einstellen, dies kann aber schon dazu führen, dass sich das Bike dann endlich ausgewogen anfühlt.

Wer sich mit seiner Kinematik im Detail auskennt, kann das Ganze natürlich in Abhängigkeit dieser machen, der Wert für den SAG in mm am Dämpfer kann dann etwas variieren. Wenn es z.B. eine stark abfallende Kennlinie wie beim Damper ist, kommt man auf ca. 14 mm Sag. Wenn hier gezeigt werden soll, wie man das einfach ermittelt - Zusatzsoftware erforderlich einfach Wunsch in den Kommentaren äußern.

Man sieht, wie die Unterschiede sein können, hätten wir den Hinterbau klassisch abgestimmt hätten wir auf 19,5 mm Hub am Dämpfer abgestimmt. Optimal wäre 14 mm am Dämpfer. Was ein Unterschied von um die 30 % sein kann!

Fazit: Beschäftige Dich mit deinem Hinterbau und stimme diesen richtig ab, damit du ein ausgewogenes Fahrverhalten hast.

Ist etwas aufwendig das Ganze richtig abzustimmen, aber nur so könnt ihr sicher schnell fahren. Probiert es aus und postet eure Erfahrungen in die Kommentare :-).

Montag, 7. September 2020

#8 Linkage - Warum 100 % Anti-Squat nicht ausreicht, damit das Fahrwerk nicht wippt beim Pedalieren?!

Im Marketing liest sich 100 % Anti-Squat super. Doch was heißt das genau? Man erwartet, dass ein solches Fahrwerk nicht wippt und man ohne Lock-Out am Dämpfer fahren kann. Dem ist leider nicht so. Es spielen hier einige Faktoren mit rein, heute beleuchten wir rein den Anti-Squat.

Die Anti-Squat Betrachtung wird ja nicht nur bei Fahrrädern gemacht, sondern auch bei anderen Fahrzeugen wie z.B. Motorrädern. Vergleichen wir die beiden Zweiräder stellen wir fest, dass beim Motorrad der Fahrer keine zyklische Bewegung in das Fahrzeug einbringt, beim Fahrrad wird pedaliert, sei es im Sitzen oder gar im Stehen.

Ein Projekt, das hoffentlich klappt. MDE Bolder als 200 mm Bike mit 27,5" Rädern für große Personen. Hier alles ganz einfach und doch speziell - seid gespannt. Rote Linie zeigt Ermittlung des Anti-Squat, man sieht sofort, dass er Schwerpunkt zu niedrig angesetzt ist. In echt hat man 30 % weniger Anti-Squat!

Die Annahme von 100 % Anti Squat heißt, dass durch die Beschleunigung einhergehende Radlastveränderung, durch den Kettenzug am Hinterbau so kompensiert wird, dass dieser weder ein- noch ausfedert. Beim Motorrad funktioniert das. Da wir aber ein bestimmten Rhythmus beim Pedalieren haben und die einhergehende Beschleunigung nicht gleichmäßig ist, haben wir immer ein Wippen.

Es gibt einige Möglichkeiten das Wippen zu unterdrücken, hier wie immer kein Vorteil ohne Nachteil. Hierzu mehr in weiteren Posts. Seid gespannt!